|
DAS KiSS-SYNDROM
KiSS = Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung
engl. kinematic imbalances due to suboccipital strain
Das KiSS-Syndrom selbst ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern eine Steuerungsstörung.
SYMPTOME
- Schiefhaltung des Kopfes bis zur Zwangshaltung (Schiefhals)
- Kopfhalteschwäche und/oder ausgeprägte Kopfrückbeuge
- Asymmetrie der Bewegungen von Armen und Beinen
- einseitig oder mittig abgeplatteter Hinterkopf
- einseitige Haltung des Rumpfes
- Reifungsprobleme der Hüftgelenke
- oft einseitige Fehlstellung der Füße bis hin zum Sichelfuß
- Schlafstörungen
- Schreien im Schlaf (Schmerz)
- haarloser KiSS-Fleck am Hinterkopf (symmetrisch oder asymmetrisch)
- Haareraufen
- hohe Tastempfindlichkeit des Nackens
- einseitige Schlafhaltung des Kindes
- Schädelasymmetrie im Gesicht und/oder am Hinterkopf (seitlich abgeplatteter Hinterkopf)
- ein kleineres Auge
- Schlafhaltung wie ein nach hinten durchgebogenes C
- massives Durchstrecken nach hinten z. B. auf dem Arm oder im Bett
- Kind kann nur an einer Seite gut gestillt werden, da es nicht entspannt liegen kann
- Headbanging d. h. das Kind schlägt den Kopf z. B. gegen die Gitter des Bettes
- Drei-Monats-Koliken (Blähungen) und „Schreikinder“
- Drehen nur über eine Seite
- übermäßiges Sabbern
- Schreien beim Autofahren und im Kinderwagen
- Probleme beim Schlucken
Bei älteren (nichtbehandelten) Kindern:
- später oft Konzentrations- und Lernschwäche
- undefinierbare Kopfschmerzen
- ADS-ähnliche Verhaltensweisen und soziale Auffälligkeiten
- motorische Defizite
- Entwicklungsverzögerungen
Im Erwachsenenalter kann das einige Beeinträchtigungen nach sich ziehen:
- Halswirbelsäulenbeschwerden
- chronische Rückenschmerzen
- Bandscheibenvorfälle
- Ohrgeräusche (Tinitus)
- Gleichgewichtsstörungen
- Schwindel
MÖGLICHE URSACHEN
- lange und erschwerte Geburten mit Saugglockenbenutzung
- Notfallkaiserschnitte
- Schieflagen im Mutterleib
- Steißlagen
- Beckenendlagen
- Mehrlingsgeburten
- Enge im Mutterleib
- Übertragungen
ATLAS und AXIS, also der erste und zweite Halswirbel (Kopfgelenke) unterscheiden sich im Bau von den übrigen Halswirbeln. Durch sie wird die Wirbelsäule gelenkig mit dem Schädel verbunden.
Der ATLAS, der den Kopf trägt, besitzt keinen Wirbelkörper. Er wird nach dem griechischen Gott Atlas, der nach der Sage die Säulen des Himmelsgewölbes trug, benannt.
ATLAS und AXIS bilden zusammen mit den umgebenden Weichteilen, wie Muskeln, Nerven, Faszien, Blutgefäßen und der Schädelbasis das Kopfgelenk.
Dieser Bereich ist ein wichtiges Reflexzentrum, welches auch die Spannung der Haltemuskulatur steuert.
Es bestehen wichtige Verbindungen zum Gehirn (Sehzentrum, Hörzentrum, Gleichgewichtsorgan), die von diesem Reflexzentrum beeinflusst werden. Die Stellung des Kopfes im Raum und auch zum Körper wird hier gesteuert.
ERKLÄRUNGEN
Beim KiSS-Syndrom werden die noch zarten Kopfgelenke geschädigt (Nackenschlag) und es kommt zu Asymmetrie. Früher wurde dies Atlasblockiersyndrom genannt, und erstmals 1953 von Dr. Gottfried Gutmann erforscht. Etwa 30 % der Bevölkerung dürften betroffen sein. Dr. Lutz Erik Koch sagt, dass von 10 % Therapiebedürftigen tatsächlich weniger als ein Prozent behandelt werden. Er schätzt auch, dass nur jeder zweite Kinderarzt dieses Phänomen kennt.
Oft werden die Eltern mit den Worten „Das wächst sich aus“ oder "Das sind Drei-Monatskoliken" beschwichtigt. Tatsächlich scheint diese Fehlstellung im Nackenbereich nach einiger Zeit ohne Behandlung verschwunden zu sein (bzw. mit krankengymnastischer Behandlung). Die kleinen Patienten haben inzwischen jedoch lediglich gelernt, wie sie ihre Fehlstellung und oft auch ihre Schmerzen kompensieren können. Manche haben sich vielleicht besonders früh hochgezogen oder zu laufen begonnen, oft zur Freude der Eltern. Dabei haben sie tatsächlich nur instinktiv eine schmerzfreie Haltung angestrebt. Ausgeprägte Fälle sind als „Schiefhals“ bekannt.
DIAGNOSE
- Röntgenaufnahme der Wirbelsäule (nicht zwingend notwendig)
- Lagetest (Symmetriebetrachtung, Beobachtung von Gelenkbeweglichkeit und der Kopfhaltung)
- Segmentale Untersuchung der Wirbelsäule (Abprüfen der Beweglichkeit aller Wirbel vom
- Beckenring bis zum Hinterkopf beim liegenden oder sitzenden Kind)
THERAPIE
Nach einer gründlichen Untersuchung, zu der oft auch eine Röntgenaufnahme gehört, kann der Arzt die genaue Therapie festlegen. Die Therapie sollte von einem in der Manualtherapie erfahrenen Kinderarzt oder Orthopäden so bald wie möglich durchgeführt werden. Der Arzt stellt mit vorsichtigen Handgriffen die Symmetrie der Halswirbelsäule wieder her (auf gar keinen Fall selbst probieren). Häufig ist nur ein leichter Druck erforderlich. Danach ist das Problem oft behoben. Möglicherweise muss die Behandlung bei hartnäckigen Fällen wiederholt werden. Meist sind ergänzende Maßnahmen wie Massagen oder Krankengymnastik (nach Bobath, Vojta und Feldenkrais) notwendig, auch um falsch erlernte Bewegungsmuster und Schonhaltungen auszuschließen.
Bild: Courtesy of NASA.
|